Porschewerk I

Werksbesichtigung

(17.01.2012)

Anmeldung erforderlich
  • Alle Informationen beziehen sich auf das Jahr 1999. Damals wurden der 996 und Boxster gefertigt.
  • Interessenten müssen zunächst einmal telefonisch einen Termin vereinbaren. Die Voranmeldung sollte ca. 4 - 6 Wochen vor dem Wunschdatum erfolgen. Telefon : 0711 / 911 - 0
  • Die Montags- und Freitagstermine sind in der Regel immer ausgebucht. Die Werksbesichtigungen werden in erster Linie für die Neuwagenkäufer angeboten, die ihren Wagen selbst in Zuffenhausen abholen wollen.
  • Die Werksbesichtigung ist kostenlos. (Stand 1999)

Update 17.01.2012: Ob weiterhin Werksführungen für jeden Besucher möglich sind, kann ich leider nicht beantworten. Einige Besucher meiner Website berichten, das dies nur noch Neuwagenkäufern vorbehalten sein soll. Auf der offiziellen Porsche-Website ( http://www.porsche.com/germany/dialog/n90/contactandinformations-factorycollection) steht dazu allerdings:
"Die Porsche AG bietet täglich kostenlose Führungen durch das Werk in Zuffenhausen an. Im Anschluss an die etwa zweistündige Werksführung kann auch das Museum besichtigt werden (kostenpflichtig). Zur Vereinbarung eines Termins schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an werksfuehrungen@porsche.de. Werksbesichtigungen in unserem Produktionszentrum Leipzig bieten wir in Verbindung mit unseren Erlebnisprogrammen [...] an." Einfach bei Bedarf per Mail nachfragen.


Zum vereinbarten Termin muß sehr pünktlich erschienen werden ! Es finden zwar viele Besichtigungstouren Tag statt, aber deren Größe ist auf 15 Teilnehmer begrenzt ist. Wer zu spät zum vereinbarten Termin kommt, muß einen neuen Termin vereinbaren, weil alle Touren in der Regel ausgebucht sind ! Die Werksführung dauert ca. 1,5 Stunden.

Ablauf der Werksbesichtigung

Ich bin leider zu spät im Werk angekommen. Zum Glück konnte ich mich einer englisch-sprachigen Gruppe anschließen, weil ich mich ja nur als Einzelperson angemeldet habe. Vom einführenden Vortrag des Tour-Guides habe ich die ersten Minuten verpaßt. Was ich allerdings mitbekommen habe : Es dürfen während der Tour keine Photos gemacht werden. Viele Teile der Produktion wurden bei meiner Tour leider nicht gezeigt (Zeitmangel !). Bei anderen Touren wird z.B. auch die Sattlerei gezeigt. Keiner Gruppe wird das Zusammenschweißen der Fahrzeugkarosserien sowie deren Lackierung gezeigt. Diese Arbeitsschritte werden von Robotern ausgeführt, denen man besser nicht im Weg steht. In der Produktion zwar am Fließband gearbeitet, aber der Handarbeitsanteil ist sehr groß.

Die Tour begann bei der Motorenproduktion. Für die einzelnen Motoren gibt es separate Fließbänder. Jeder Motor wird von einen einzigen Werksangehörigen zusammengebaut. Früher wurde sogar der Name des Erbauers auf den Motor vermerkt. Das ist heute nicht mehr möglich. Wenn ein Arbeiter auf's Klo muß, arbeitet ein Springer für ihn weiter und die Beschriftung des Motors wäre falsch. Vor der Einführung des Fließbands konnte der Mechaniker (alle Motorenbauer sind ausgebildete Kfz-Mechaniker ! Daher gibt es dort fast keine Frauen.) an seinen nach seinen Klobesuch einfach weiterarbeiten. Nach dem Zusammenbau des Motors wird er auf dem Prüfstand 15 Minuten lang getestet, wo auch die PS-Zahl überprüft wird. Durch das nicht milimetergenaue Zusammensetzen der Teile kann der Motor unter Umständen gleich 10% seiner Leistung verlieren. Was allerdings auch nicht vorkommt : Ein Porsche-Motor kann nicht wegen einer Fertigungstoleranz mal 1 PS mehr haben, als in den Papieren drinsteht. Nicht perfekt zusammengesetzte Motoren müssen per Hand zerlegt werden.

Jeder Motor hat wie alle (!) anderen Teile eine Produktionsnummer. Ein Auto besteht aus Teilen, die alle (!) die gleiche Produktionsnummer haben. Fällt also ein Motor durch den Test und wird wieder zerlegt, dann kann auch das gesammte (!) Auto nicht fertiggestellt werden !!! Wenn ein Zulieferer ein Teil nicht in der erforderlichen Qualität anliefert, dann kann bei Teilen wie Sitzen, Rädern, Karosserieteile (z.B. die Türbleche kommen von BMW !!!) ein Ersatzteil eingebaut werden, die auch farblich als Ersatzteile gekennzeichnet sind. Wenn auf dem Werksgelände ein Auto mit einer weißen Tür parkt, obwohl der Rest des Wagens schwarz lackiert ist, dann ist es ein Ersatzteil, das nach dem Eintreffen des richtigen Teils wieder ausgetauscht wird. Wegen des Just-in-Time - Produktionsverfahrens gibt es bei Porsche keine Lagerhaltung mehr. Das Prizip der Produktionsnummer führt dazu, daß solche Fahrzeuge wochenlang auf das richtige Teil warten müssen, weil die anderen vorhandenen Teile ja für die passenden Autos verplant sind. Von solchen "bunten" Autos gibt es sehr viele auf dem Werksgelände. Die Produktionsnummern sind notwendig, weil der Kunde unter einer sehr großen Auswahl verschiedener Sonderausstattungen wählen kann. Die Karosserien werden nach dem Zusammenschweißen mit fabigen Blechteilen an den Kotflügeln vorne und hinten markiert, die später wieder entfernt werden. Diese dienen im frühen Stadium der Produktion zur Unterscheidung der Fahrzeugtypen, weil die Zusatzbleche vom Boxster eine andere Farbe als die vom 996 haben.

Bei der Lackierung kann der Kunde unter verschiedenen Standardfarben wählen, aber auch idividuell gemischte Farben sind möglich. Diese sind aber sehr aufwendig in der Produktion, weil sowohl das Porsche-Werk für die Blechteile als auch die Zulieferer für die Kunststoffteile diese Farbe mischen müssen. Die Farbmischungen für Blech- und Kunststoffteile der Karosserieteile sind geringfügig verschieden, weil die Farbe auf verschiedenen Matrialien verschieden wirkt. Wenn ein Kunde mit einer Probe der Farbe seiner Wahl zum Werk kommt (z.B. Farbe des Lippenstifts seiner Frau), muß daher erst die Farbe anlysiert werden. Dann fertigt auch der Zulieferer ein Stück in der gesuchten Farbe. Paßt diese Probe zum lackierten Metallteil von Prosche, kann die Produktion dieses inviduellen Fahrzeugs beginnen. Entsprechend teuer sind die Individuallackierungen. Es ist auch möglich z.B. eigenes Leder mitzubringen, mit dem die Innenaustattung bezogen wird. So brachte mal ein amerikanischer Farmer die Felle seiner Kühe mit, die aber für die Produktion nicht geeignet waren.

DER spannenste Moment der Produktion ist die Hochzeit, die Montage vom Motor in der Karosserie. Ich konnte mir die Hochzeit eines Boxster S ansehen. Bei diesen Teil der Produktion laufen alle (!) Porsche-Modelle auf dem gleichen Band !!! Ein Fließband liefert die Korossie an, ein anderes die miteinander verschraubten Achsen, Fahrwerk, Motor, Getriebe usw. Muß bei einen beliebigen Teil der Produktion nur wenige Minuten lang das Fließband angehalten werden, stoppt daher die GESAMTE Produktion ! Pro Tag werden 140 Fahrzeuge fertiggestellt. Davon sind 10% rechtgelenkte Wagen, 25% aller Wagen haben die Tiptronic-Schaltung. Für die Hochzeit werden 4 Mitarbeiter benötigt. Diese Mitarbeiter sind so gut ausgebildet, daß sie auch bei vielen anderen Schritten der Produktion eingesetzt werden können. Porsche investiert daher sehr viel Arbeit in die Ausbildung seiner Mitarbeiter. Deswegen müssen die Arbeiter so lange wie möglich bei Porsche arbeiten, weil nicht so schnell ein passender Ersatz für einen ausscheidenen Mitarbeiter gefunden werden kann. Aushilfskräfte können wegen der hohen Qualitätsanforderungen und des großen Zeitdrucks in der Produktion nicht eingesetzt werden.

Porsche mußte seine Produktionsstätte in die Höhe und nicht wie im Idealfall für die Produktion in die Breite bauen. Daher werden die verschiedenen Arbeitsschritte auf verschiedenen Ebenen parallel zueinander durchgeführt. Der Kunde kann also nicht überall gleichzeitig sein, um sich die Produktion seines Porsche anzusehen.

Auf dem Werksgelände steht ein denkmalgeschütztes Ziegelgebäude. Es ist das ehemalige Karosseriewerk Reutter, das von Porsche Mitte der 60'er Jahre gekauft wurde. Momentan wird es als Lagerhalle genutzt. Dort erfolgte die Individualfertigung für Kunden wie Audi und Mercedes, die dort Kleinserien von Sonderfahrzeugen fertigen ließen.

Fazit

Es werden leider nicht alle Schritte der Produktion gezeigt. Trotzdem wird ein Überblick über die Fahrzeugproduktion vermittelt, der sehr gut zeigt, wieso Porsche eine so hohe Fertigungsqualität hat. Wer seinen Neuwagen bei Porsche abholt, muß (!) unbedingt an dieser Werksbesichtigung teilnehmen. Wer seinen Urlaub im Raum Stuttgart plant, sollte sich auch unbedingt anmelden. Wer allerdings wie ich extra wegen der Werksbesichtigung nach Zuffenhausen fährt, muß schon ein sehr großer Porsche-Fan sein, weil die Tour zwar sehr interessant und lehrreich ist, aber nicht so extrem spannend und aufregend ist, um dafür extra anzureisen.



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Porschewerk II
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