Porsche 356 Speedster - Kaufberatung (subjektiv)

(19.10.2004)

356 Speedster-Replika Probefahrt : subjektive Eindrücke von Volker P.

Allen Fans über 1,60 Meter sei jedoch gesagt, dass jeder Gedanke an ein solches Auto verschwendete Zeit ist. Ich bin 1,88 Meter lang und bin sowohl geschlossen mit dem Wagen gefahren, als auch offen.

Geschlossene "Qual":
Wer geschlossen fährt/fahren muss kommt sich vor als hätte er das weltkleinste Handy zwischen seinen Schultern und dem Ohr eingeklemmt und schaut mit 90 Grad geneigtem Kopf durch mittelalterliche Schiessschächte.

Selbst bei funktionierender Lüftung und gedachtem Regen, würde sich die zu 20 % vorhandene Sicht vermutlich auf 2-3 % reduzieren. Hinzu kommt kommt das Bedürfnis sich in den viel zu schmalen Schalensitze ständig richtig betten zu wollen/müssen, was mangels Freiheit in allen Richtungen aber nicht möglich ist. Wer über 1,80 Meter ist und in der Lage ist, dieses Fahrzeug bei geschlossenem Verdeck länger als 60 Minuten im Stadverkehr zu bewegen muss ein Schlangenmensch sein.

Ein Versuch in den linken Aussenspiegel zu Blicken wird mit einem Ausblick auf die Türfensterkante belohnt ;-), rechts sieht es ähnlich aus, sofern man den Spiegel in dieser Haltung überhaupt ausmachen kann (eine Bewegung der hier verbauten Aussenspiegel einer frühen Serie, nach innen oder außen ist nicht möglich !!!). Der Innenspiegel zeigt Eindrucksvoll den dunklen Verdeckhimmel und einen kleinen Teil des kaum durchschaubaren Plastikfensters. Herren ab Hosengrösse 54 und Damen ab 42 -44 sind kaum in der Lage sich in die Rennschalen (waren in diesem Fall verbaut) reinsacken zu lassen, sollte es ihnen dennoch gelingen, so würde ich gerne zusehen, wie sie sich ohne fremde Hilfe daraus befreien, ohne den gesamten Sitz samt Halterung aus der Bodenpaltet zu reißen ;-).

Nun zum offenen "Vergnügen":
Sollte das deutsche Wetter es jemals zulassen, dieses Auto längere Zeit offen zu bewegen, so rät sich für die Leute ab 1,70 Meter sicherlich ein Sitzkissen und eine Motorrad oder Skibrille um unbeschwert über die vordere Speedsterscheibe hinwegsehen zu können, da sonst ständig der obere Schreibenrahmen die Sicht nach vorne zu gut 50 % schmälert.

Zumindest hat man nun die Möglichkeit durch Seitenblicke am Strassenverkehr teilzunehmen oder wie ein raus schauender Hund durch einen Blick links vorbei am äusseren Scheibenrahmen auch die vorderen Verkehrsteilnehmer und Schilder/Ampeln wahrzunehmen. Bei Geschwindigkeiten über 80 KM/h ist aber auch dies sehr unangenehm.

Zu allem kam noch erschwerend hinzu, das sich der viel zu kurze Schaltknüppel bei fast gestrecktem Bein und in Nullstellung in etwa unterhalb des rechten Knies befand was einem im Stadtverkehr das Gefühl eines rechtsarmig rudernden Gorillas vermittelte.

So schön solche Fahrzeuge ja auch sind, aber sie scheinen wohl doch eher was für klein(st)e schlanke Leute mit großem Geldbeutel zu sein.

Wer jemals in so einer "Kiste" Platz nehmen durfte wird bei allem Respekt, nie mehr gerührt bis neidvoll zu einem 356er Speedsterfahrer an der Ampel rüberschauen, sondern eher mitleidsvoll auf den Fahrer herabblicken und seine möglicherweise in der Sitzschale ruhig gestellte Beifahrerin bedauern ;-).

Alle die glauben, einem F/G-Modell oder einem 914er fehle es an Komfort, die sollten sich mal eine Runde im geschlossenen 356er Speedster bei Regen im Stadtverkehr gönnen ;-). Glaubt mir, Ihr haltet das F/G-Modell oder den 14er anschliessend für eine großvolumige Reiselimousine mit sportlichen Fahreigenschaften ;-).

Nun weiss ich auch, warum sich der originale Speedster in seinen Anfangsjahren nie durchsetzen konnte und die Produktion recht schnell eingestellt wurde.

Für mich hat sich hiermit auf jeden Fall einer meiner Jugendträume in Platzmangel aufgelöst ;-).

Mein Kommentar : als original Speedster - Fahrer kann ich einige Aussagen nicht unkommentiert lassen.

Produktionszahlen :

Ich verzichte mal auf die langen Zahlenreihen, die ich selber erst nachschlagen müßte. Fakt ist, daß der Speedster häufiger als das Cabrio damals verkauft wurde. Warum ? Niedriges Gewicht bei gleichen Motor = besseres Leistungsgewicht und daher mehr Fahrspaß. Bei zahlreichen Clubrennen in den USA sind daher viele Speedster zerlegt worden (angeblich sollen noch 2000 der ca. 4500 Stück überlebt haben). Der Preis vom Speedster war günstiger als das Coupe und erst recht gegenüber dem Cabrio. Daher gehe ich davon aus, daß hier der Preis DER Grund war, sich einen Porsche Speedster zu kaufen. Das wegen fehlender Nachfrage das Modell schnell eingestellt worden ist, ist daher nicht richtig. Die Einstellung erfolgte zum Modellwechsel zum 356B. Zuvor hatte Porsche der 356A Speedster zum 356A Convertible D aufgerüstet (u.a. höhere Windschutzscheibe, richtige Seitenfenster zum hochkurbeln usw. - nur ca. 800 oder 900 Stück). Einen inoffiziellen Nachfolger gab es mit dem recht komfortablen 356B Roadster.

Das Problem "das Auto ist zu eng" wirst Du bei allen Oldtimern dieser Zeit haben. Der "Durchschnittsfahrer" war in den 50er Jahren kleiner und leichter.

Das der Speedster Schalensitze hat, führe ich auf die Kostengründe (der Speedster mußte billiger als das Coupe werden) und / oder die Motorsportambitionen der Käufer zurück. Die Sitzschalen sind übrigens die einzige Möglichkeit zum schnellen Kurvenfahren, weil die "Wohnzimmersessel" aus dem Coupe und Cabrio keinen Seitenhalt bieten.

Mit meinen 177cm Größe (84kg *seufz*) ist das geschlossene Fahren kein Problem. Die niedrige Windschutzscheibe ist geschlossen ebenfalls kein Problem.

Ein orginal (vor-A) Speedster (beim 356A Speedster kann ich es nicht fest zusagen) hat übrigens keine Lüftung. Daher gibt es ja die Steckscheiben, die bei geschlossenen Verdeck einen kleinen Spalt vor der B-Säule frei lassen, der zur Entlüftung dient. Besser fährt man bei Regen wirklich ohne Seitenfenster.

Die Außenspiegel werden immer gerne kritisiert. Mit Schrauben wird die Blickrichtung des Spiegels eingestellt und fixiert. Hier Ruß man natürlich die richtige Einstellung finden, sonst fährt man besser niemals rückwärts.

Der orginal Speedster hat ürigens einen sehr, sehr langen Schaltknüppel. Die Folge sind lange Schaltwege, die ein schnelles Beschleunigen verhindern.

Ein orginal Speedster kennt weder ein Radio, kein Handschuhfach, keinen Aschenbecher ... das Auto ist einfach nur nackt. Schön für Ausfahrten, schlecht für die anschließende Fahrt nach Hause, wenn es dunkel (6 Volt Licht reicht nicht wirklich aus) und kalt geworden ist .. und auf den Beifahrersitz keiner für die nötige Unterhaltung sorgt. Diese "negativen Eigenschaften" sind bei den meisten Nachbauten beseitigt worden.

Ob man diese Produkteigenschaften jetzt liebt oder haßt, Ruß jeder selber für sich entscheiden.

Meinen Speedster - Kauf vor 5 Jahren habe ich bisher nicht bereut. Die Momente mit technischen Problemen (altersschwache Batterie, Zündspule, Benzinpumpe und Kupplungsseil) lasse ich mal außen vor *ggg*.


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