Porsche AG Hauptversammlung 2000

(14.07.2003)

Meine Eindrücke von der Porsche AG Hauptversammlung am 11.02.2000 sind zwiegespalten.

Eins sage ich schonmal vorweg ... als Aktionär der Porsche AG sollte man einmal
im Leben diese Hauptversammlung besucht haben. Ob sich ein zweiter Besuch lohnt ... selbst ich als großer Fan der Porsche-Sportwagen antworte darauf mit einen klaren
Nein !

Die Anreise ...

Das mit der Eintrittskarte mitgelieferte Kartenmaterial war ausreichend, um den Veranstaltungsort,das Kongreßzentrum Liederhalle in der Stuttgarter Innenstadt, zu finden. Ich muß allerdings zugeben, daß ich durch frühere Stuttgart-Besuchedie Hauptverkehrstraßen bereits kenne.Wegen des hohen Verkehrsaufkommens in der Innenstadt sind allerdings 45 Minuten fürdie Fahrt von der Autobahnabfahrt zur Tiefgarage einzuplanen.

Die Präsentation der Porsche AG

Im Eingangsbereich wurde eine Sicherheitsprüfung wie im Flughafen durchgeführt. Das Präsent der Porsche AG an seine Aktionäre war eine Platiktüte (!) mit folgenden Inhalt : die umfangreiche Version des Geschäftberichts, einNotitzblock und ein Kugelschreiber (nein, nicht der 200 + x DM teuere aus dem Porsche Zentrum !). Im eigentlichen Präsentationsbereich wurden alle aktuellen Modelle der Porsche AG gezeigt, die Kunden ordern können : Vom 2.7 Liter Boxster, Boxster S, 996 Carrera,996 Carrera 4 (inc. des limitierten Millinnium-Sondermodells - nur 911 Stück),den 996 GT3 (es werden weitere Exemplare im Sommer gebaut !) und letztlich auch den neuen 996 Turbo ! Der war allerdings auf einen Podest plaziert und nicht zu besichtigen. Auch die Ausbildungswerkstatt vom Porsche Werk und die Personalabteilung war jeweils mit einen Stand vertreten. Nach der eigentlichen Hauptversammlung wurde ein kleiner Imbiss angeboten : (Mini) Würstchen mit Brötchen und belegte Brötchen. Auch in dieser Hinsicht war der Porsche AG sehr "großzügig". Es bestand die Möglichkeit, mit einen kleinen Bus zum Werk gefahren zu werden, um dort an einer Werksbesichtigung teilzunehmen.

Der Ablauf der Hauptversammlung

Der Vorstandsvorsitzende Wiedeking gab in seinen Vortrag in erster Linie nur den Geschäftsbericht 1998/99 wieder. Er nannte die vorläufigen Halbjahreszahlen fürdas laufende Geschäftsjahr 1999/2000 (endet zum 31. Juli; Umsatz- und Gewinnplus von nochmals 15% nach den Rekordzahlen des Jahres 1998/1999 !!!). Für das Gesamtjahr rechnet Wiedekingmit einen Umsatz von 46000 Fahrzeugen, bei unveränderten Umsatz und Gewinn. Wiedekinghatte stets sehr konservative Erwartungen in den letzten Jahren zum Umsatz und Gewinngenannt. Daher werden diese voraussichtlich wieder übertroffen.
Neben den Geschäftszahlen ging er auf Themen wie die aktuelle Konjunktursituation ein."Konjunktur ist sehr stark von Stimmungen abhängig, und wer negative Erwartungshaltungenpredigt, wird schlechte Ergebnisse ernten." Porsche macht bei diesen "Ankündigungspessimismus" einiger Institute und von Firmen der Branche nichtmit, die für die Hauptmärkte USA und Europa für 2000eine Abkühlung der Autokonjunktur vorhersagen.
Der Porsche-Chef kritisierte erneut die Praxis der Vergabe vonSubventionen an Automobilhersteller bei Standortentscheidungen. Dieso genannten Strukturbeihilfen verzerrten den Wettbewerb und würdenauch gesellschaftlich immer weniger akzeptiert. Porsche jedenfalls habenicht einmal in den Krisenzeiten Anfang der neunziger Jahre Hilfenbeantragt, sondern hart gearbeitet und neue Produkte auf den Marktgebracht. Es möge ja gute Gründe geben, junge Pionierfirmen zuunterstützen. Die Autobranche sei aber eine reife Industrie. "Und ichkann mir nicht erklären, wie finanzstarke Großkonzerne in einer solchenSituation Hilfen beantragen können."
So werde Porsche auch für den Bau seines Geländewagenwerks in Leipzig keine Subventionen beantragen, betonte der Porsche-Chef.Schließlich könnten Porsche-Käufer Luxus und Zuschüsse nicht aufeinen Nenner bringen. "Und wir müssen auch dafür sorgen, daß sichkeiner unserer Kunden in seinem sozialen Umfeld für seineKaufentscheidung rechtfertigen muß", sagte er. Porsche entwickelt mitdem Volkswagen-Konzern Geländewagen, von denen beide Firmen ab2002 unterschiedliche Versionen auf einer Plattform auf den Marktbringen wollen. Porsche will von seiner Version jährlich über 20 000 Stück überwiegend in den USA verkaufen. Damit würde der aktuelle Umsatz von ca. 45000Stück nochmals um ca. 50% gesteigert werden.
Zur geplanten vierten Baureihe sagte er, daß Porsche sich bereits Gedanken über die Zeit nach der Entwicklung des Geländewagens macht, um weitern Umsatzwachstum zu erwirtschaften. Es werden momentan Überlegungen in mehrere Richtungen gemacht,aber konkretere Pläne gibt es noch nicht.
Wiedeking betonte, Porsche wolle unabhängig bleiben. "Porsche wirdunbeirrt von allen modischen Trends in einer Welt zunehmenden Gigantismus immer daran arbeiten, seine Selbstständigkeit zu erhalten."Zur Fusionswelle in der Branche ergänzte er, Größe allein sei kein Wertan sich. "Es mag gute Gründe für Größe geben, mit wirtschaftlichemErfolg haben sie zunächst aber nichts zu tun."
Nach seinen Vortrag haben Aktionärsvertreter und einzelne Kleinaktionärenach der Splittung der Aktie (eine kostete am 11.2.2000 2980 Euro !), nach einen Stockoptionsprogramm für führende Mitarbeiter und Entwickler usw. gefragt.Dazu gab es keine konkreten Antworten. Einige wollten sich einzelne Details ausdem Geschäftsbericht erklären lassen und fragten teilweise nach Geschäftsgeheimnissen. Die Abarbeitung der eigentlichen Tagesordnungspunkte war bereits nach wenigen Minuten beendet, weil stimmberechtigt nur die Stammaktionäre sind, die nicht an der Börse gehandeltwerden. Alle Stammaktien befinden sich im Besitz der Familie Porsche bzw. Piiech.Daher waren Diskussionen über die Höhe der Dividende (25 DM für Vorzugsaktien - nur diese werden an der Börse gehandelt) usw. nicht möglich.

Nach der Hauptversammlung ... :-)

Auf den sehr kleinen Parkplatz hinter der Liederhalle parkten neben normalen 996 Carreras (roter 996 Carrera im GT3 Look mit Kindersitz hinten *sic*) und Boxstern auch 7 996 Turbo ! In einen dieser 996 Turbos stieg Herr Wiedeking ein, der sehr elegant (alle wollten auf einmal nach Hause!) eine Kollision mit einen anderen 996 Turbo vermeiden konnte. Auf den Parkplatz konnte ich dann auch erstmals den Sound vom 996 Turbo hören. Ich höre im niedrigen Drehzahlbereich ohne Vollgas keinen nennenswerten Unterschied zum normalen 996 Carrera :-( Auf den Weg zum Wagen habe ich Herrn Wiedeking "natürlich" nicht gefragt, ob er mir mein Exemplars des Geschäftsberichts signieren könnte.


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